Beirat für Klimaschutz der Stadt Münster, 10.12.2021

Der Klimawandel ist auch in Münster mittlerweile für jede:n Einzelne:n sichtbar und zunehmend persönlich spürbar geworden. Die Stadt Münster hat sich daher ein ehrgeiziges Ziel gesetzt und will bis 2030 klimaneutral werden. Das hat der Rat der Stadt beschlossen. Für die Umsetzung des Vorhabens sind derzeit drei Konzeptstudien relevant:

  1. Klimaneutralität Münster 2030
  2. Klimaneutrale Stadtverwaltung
  3. Wärmekonzept der Stadtwerke

Der Klimabeirat der Stadt Münster bekräftigt vorab die Auffassung, dass die sauberste und um-weltfreundlichste Energie die ist, die vermieden und somit erst gar nicht eingesetzt wird. Somit unterstützen wir die Bemühungen der Stadt Münster, gute Rahmenbedingungen für suffiziente Lebensstile zu schaffen und eine umweltfreundliche Lebensweise zu fördern, um auch in den Be-reichen Strom- und Wärmeverbrauch zu erheblichen Einsparungen zu kommen. Die verbleibende fossile Energienutzung sollte möglichst rasch dekarbonisiert werden nach dem Motto „der Koh-lenstoff muss raus“.
Die derzeit vorliegenden Konzeptstudien zur Klimaneutralität stellen mögliche Handlungs-Optionen dar. Aufbauend auf dieser Grundlage sollten nach Ansicht des Klimabeirats der Stadt Münster die Inhalte und möglichen Handlungsfelder im Sinne einer Nach-vorn-Strategie weiterentwickelt werden. Das schließt Präzisierungen und Nachjustierungen ein, um die Ziele im Energiesektor tatsächlich zu erreichen. Deshalb hat der Klimabeirat der Stadt Münster nachfolgende Positionen formuliert:

  1. Einordnung der vorliegenden Konzeptstudien

Der Klimabeirat der Stadt Münster stellt fest, dass die bisher vorliegenden Konzeptstudien der Stadtverwaltung „Klimaneutralität Münster 2030“, „Klimaneutrale Stadtverwaltung“ und der Stadtwerke Münster „Wärmekonzept“ eine Ansammlung von Möglichkeiten (Analogie zu einem „Musterhaus“) darstellen, welche Handlungs-Optionen prinzipiell möglich sind bzw. vorliegen.
Zitat der Autoren der Studie Klimaneutralität 2030: „Die Konzeptstudie beschreibt, vom Ziel (2030) her gedacht, einen möglichen, theoretischen Pfad auf dem Weg zur Klimaneutralität 2030 (S. 2/79). Es handelt sich bei der Konzeptstudie um eine Sammlung von Möglichkeiten und Optionen, nicht um einen Plan mit konkreten Handlungsempfehlungen.
Dementsprechend ist das Zielszenario nicht als konkrete Handlungsempfehlung zu verstehen, sondern als Was-Wäre-Wenn Analyse (S. 11, 12/72)“.

Angesichts der gewaltigen Herausforderungen fehlt es allerdings an einer ganzheitlichen, rich-tungsweisenden Nach-vorne-Strategie, die Inhalte der verschiedenen Konzeptstudien einerseits aufgreift, andererseits Akteur:innen der Stadtgesellschaft (z.B. Uni, Wirtschaft) vernetzt und ein-bindet, um das Gesamtziel Klimaneutralität zu erreichen.

2. Klimaneutralität klar definieren

Der Klimabeirat der Stadt Münster stellt weiterhin fest, dass eine klare Definition des Begriffs „Klimaneutralität“ bisher fehlt. Eine solche Klarstellung ist für die Erreichung des Gesamtziels von besonderer Bedeutung. So sollten beispielsweise rein bilanzielle CO2-Verlagerungen, Kompensa-tionen außerhalb von Münster oder etwa Herkunftsnachweise ohne Lieferung nicht anrechenbar sein. Im Kern wird vorgeschlagen, die Dekarbonisierungsstrategie auf Basis a) der Einsparung / energetischen Sanierung und b) der realen (!) Beschaffung von CO2-freiem Strom (vorrangig lokal erzeugter Strom, z.B. durch Post EEG-Anlagen, Stromerzeugung mit grünem Wasserstoff) und CO2-freier Wärme (u.a. grüner Wasserstoff, Geothermie, etc.) umzusetzen.

3. Dekarbonisierungs-Rahmenstrategie für Münster

Nach den vorliegenden Daten müssen folgende Energiemengen in Münster dekarbonisiert werden:
a) Stadt: 1,2 Mrd. kWh Strom und 3,4 Mrd. kWh Wärme
b) Stadtverwaltung: 48 Mio. kWh Strom und 56 Mio. kWh Wärme
Die Umsetzung der Dekarbonisierung führt zu einem sich verändernden Marktumfeld, erfordert Investitionen, bringt strukturelle Veränderungen mit sich, bietet jedoch auch Chancen für neue Geschäftsfelder und neue Kooperationen zwischen den Akteur:innen. Angesichts der stark steigenden Zulassungszahlen für E-Autos ist beispielsweise ein deutlich schnellerer Ausbau der Infra-struktur für E-Ladesäulen in Münster notwendig. Die Wasserstoff-Initiative der EU und auch Deutschlands führt zu einem Ausbau der Wasserstoff-Netze und in der Folge zu einer Neuausrichtung der Stromversorger bzw. Stadtwerke.
Der Klimabeirat der Stadt Münster plädiert für die Erstellung einer „atmenden“ Rahmenstrategie, die die zu erwartenden Hauptveränderungen in Münster umfasst. Im Bereich des Monitorings zur Klimaneutralität wird vorgeschlagen, neben der bereits vorliegenden CO2-Bilanz eine Dekar-bonsierungs-Bilanz zu erstellen, in der der jährliche Fortschritt der CO2-freien Strom- und Wär-meerzeugung am gesamten Strom- und Wärmebedarf dargestellt wird. Für den Bereich „Energieeinsparung/energetische Sanierung“ empfiehlt der Klimabeirat jährlich eine quantitative Abschätzung der durch tatsächliche Sanierung eingesparten Wärmeenergie p.a. (in kWh) vorzunehmen.

4. Übergeordneter Expertenkreis – Austausch-Gremium (Vertreter:innen der Stadt, Uni, Wirtschaft)

Der Klimabeirat der Stadt Münster plädiert für einen strategischen Ansatz zur Klimaneutralität mit einer deutlich sichtbaren Verzahnung zwischen Stadtverwaltung, den Stadtwerken Münster und anderer relevanter Akteur:innen. Zudem sollte nach Ansicht des Klimabeirats das Zukunfts-thema „grüner Wasserstoff“ nicht ausgeblendet, sondern Teil der Strategie bis 2030 sein. Bezüglich einer Umsetzung wird vom Klimabeirat der Stadt Münster die Bildung eines übergeordneten Expert:innenkreises empfohlen, der den Veränderungsprozess in der gesamten Stadt mit begleitet und als zentrales Austauschformat dient.

5. Klimaneutralität: Chancen für kommunale Wertschöpfung

Die sich deutlich abzeichnende Entwicklung zur Dekarbonisierung des Energiesektors und der Wirtschaft insgesamt bietet auch neue Chancen der kommunalen Wertschöpfung. Der Klimabeirat der Stadt Münster empfiehlt, im Rahmen eines Projekts investive Zukunftsfelder vor dem Hin-tergrund der sich abzeichnenden Veränderungen frühzeitig zu identifizieren und Empfehlungen für deren Umsetzung zu entwickeln.

Hintergrund:
Der Klimabeirat der Stadt besteht seit 2011. In ihm sind vom Rat berufene, ehrenamtlich tätige Fachleute aus Wissenschaft, Handwerk, Unternehmen, Umweltverbänden, Verbraucherschutz und Landwirtschaft aktiv. Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik und Verwaltung arbeiten als beratende Mitglieder ebenfalls in diesem Gremium mit. Der Beirat begleitet die klimarelevanten Aktivitäten der Stadt und verfolgt die städtische Klimaschutzpolitik. Er hat beratende Funktion.

Weitere Informationen auf der Seite des Beirats für Klimaschutz der Stadt Münster

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